Unser Grüner Gockel

Bereits im Jahre 1994 hatte die Evangelische Landeskirche in Württemberg „Ökologische Leitlinien“ formuliert. Im November 1999 wurde von der Landessynode beschlossen, für die Kirchengemeinden flächendeckend ein Umweltmanagement-System anzubieten. Die württembergische Landeskirche hatte damit eine Vorreiterrolle für ein Projekt übernommen, dem sich zwischenzeitlich unter dem Begriff „Grüner Gockel/Grüner Hahn“ weit über 400 Kirchengemeinden und kirchliche Einrichtungen der Evangelischen Landeskirchen und Diözesen der Katholischen Kirche in Deutschland anschlossen.

Da sich das Weltklima schneller als gedacht verändert, werden die Konsequenzen vor allem die nächsten Generationen und viele Länder des Südens zu spüren bekommen. Durch den Klimawandel nehmen auch in Deutschland extreme Wetterlagen zu. Baden-Württemberg ist von Sturmschäden wegen seiner Industrie, den Ballungsgebieten und der dichten Besiedlung - noch vor Bayern – in Deutschland am stärksten betroffen.

Landesbischof Dr. July nahm im Dezember 2009 als Vertreter der Kirchen in Europa an der Klimakonferenz der Vereinten Nationen in Kopenhagen teil. Im gleichen Jahr wurde in Württemberg begonnen, allen Kirchengemeinden Schulungen zum Energiemanagement anzubieten, mit dem Ziel, den Energieverbrauch zu senken und damit das Klima und die Haushalte zu entlasten. Da aber die Energiepreise ständig ansteigen, kann die Schere zwischen abnehmendem Verbrauch und steigenden Kosten in Zukunft wahrscheinlich trotzdem nicht geschlossen werden. Sicherlich haben wirtschaftliche Überlegungen ihre Berechtigung, erstrangig ist jedoch die Verantwortung für die Schöpfung und die Sorge um die kommenden Generationen. 

Im Herbst 2010 war nun diese umweltverantwortliche Entwicklung in der Landeskirche auch im Bezirk Weikersheim und in Bad Mergentheim angekommen. Als neues Energieteam wurden motivierte Mitarbeiter der Kirchengemeinde (Kirchenpflegerin, Mesnerin und Hausmeister) und eine Kirchengemeinderätin in Lehrgängen geschult, wie die Verbrauchsdaten von Strom, Wasser, Wärmeenergie und Abfall gesammelt und ausgewertet werden können. Die neue Erkenntnis, dass kaum eine Kirche in Württemberg über 15 °C beheizt wird, wurde dann auch in der Schlosskirche umgesetzt und die Temperatur auf 16 °C herabgesenkt. Dadurch konnten im Winter 2010/2011 mehr als 30% Heizenergie eingespart werden, dadurch wurde der Haushalt in diesem Jahr um mehr als 4.200 € entlastet. Es waren ja bereits im Jahr 2009 in der Schlosskirche durch gespendete Energiesparlampen jährliche Ersparnisse im Energieverbrauch von 2.000 kWh, das entspricht ca. 400 € erzielt worden. 

In der Sitzung im April 2011 beschloss der Kirchengemeinderat als einzige Gemeinde im Kirchenbezirk einstimmig, sich um das Zertifikat für das umfangreiche kirchliche Umweltmanagement-System „Grüner Gockel“ zu bemühen. Der Umweltschutz wird hierdurch in der Gemeinde verankert, neben dem Thema Energie auch im Bereich Büro, Beschaffung, Putzmittel, Mobilität, Artenschutz etc. und wird mit dem Nachhaltigkeitsmanagement um die soziale und ökonomische Dimension für eine gerechtere Welt erweitert. Es wurde ein neues Umweltteam mit Pfarrern und hauptamtlichen Mitarbeitern auch aus den Kindergärten sowie Kirchengemeinderäten gebildet. Dabei ist es besonders erfreulich, dass Herr Manfred Gaupp, Energieexperte der Naturschutzgruppe Taubergrund und früherer Kirchengemeinderat als Umweltbeauftragter der Kirchengemeinde gewonnen werden konnte. Bis zur Zertifizierung, die wir für den Herbst 2012 anstreben, wird das Umweltteam beim Aufbau des Systems in monatlichen Sitzungen vor Ort von einem erfahrenen kirchlichen Umweltauditor, Herrn Löw, beraten und unterstützt. 

Schöpfungsleitlinien sind die Umweltpolitik der Gemeinde. Bei der Adventsfeier im November 2011 haben unsere ehrenamtlichen Mitarbeiter bei einer Umfrage die Schwerpunkte unserer Schöpfungsleitlinien gewichtet. Auf diesen Grundlagen wurden die nachstehende Präambel und die Schöpfungsleitlinien formuliert.

Die Evangelische Kirche in Deutschland fordert ihre Mitgliedskirchen auf, als ersten Schritt in der Zeit bis 2015 ca. 25% der Treibhausgase einzusparen. In einem Umweltprogramm werden wir dafür konkrete Ziele und Maßnahmen definieren. Klimaschutz braucht Durchhaltevermögen, und wir werden Ihnen regelmäßig von den Bemühungen und Aktionen in unserer Kirchengemeinde berichten.

 
Heidi Weber