Godly Play/Gott im Spiel

In der Schlosskirche in Bad Mergentheim haben wir einen Geschichten-Erzählraum eingerichtet, in dem Geschichten nach dem Konzept von Godly Play / Gott im Spiel erzählt werden.

 

Godly Play / Gott im Spiel ist ein Konzept spiritueller und religiöser Bildung. Junge und ältere Menschen werden dazu eingeladen, den existentiellen Herausforderungen des eigenen Lebens auf die Spur und dabei Gott nahe zu kommen in Geschichten, miteinander und mit sich selbst. Die christliche Sprache sowie die nonverbale Symbolik helfen dabei auf spielerische und zugleich vertiefende Weise. In der achtsamen und aufmerksamen Haltung der Leitenden, der Bereitstellung einer offenen Lernumgebung und vielen anderen Elementen nimmt Godly Play Impulse aus der Montessori-Pädagogik auf.

Geschichten

Godly Play steht in der Tradition mündlicher Überlieferung lebensdeutender Geschichten. Ob biblische Glaubensgeschichten, Gleichnisse oder Darbietungen zur Symbolsprache des christlichen Glaubens – in einer Godly Play-Einheit werden Geschichten erzählt und miteinander im Gespräch ergründet.

Kreativität und Freispiel

Kinder, junge Menschen und Erwachsene haben ein Gespür für die Geheimnisse und großen Fragen des Lebens - allerdings in je individuellen, altersbezogenen, thematischen Interessen, Rhythmen und Ausdrucksformen. Deshalb legt Godly Play Wert darauf, selbstgesteuerte und geschützte Räume des individuellen Erkundens und der Selbstbildung anzubieten. Einer Phase kreativen Freispiels kommt dabei besondere Bedeutung zu.

Raum

Ein Godly Play-Raum hält in niedrigen Regalen ringsum speziell entwickelte, ästhetisch und handwerklich anspruchsvolle Materialien bereit. Dadurch sind die Anwesenden, wenn sie im Kreis sitzen oder sich kreativ beschäftigen, ständig von anderen, vertrauten oder noch unbekannten Geschichten umgeben und lernen, Verknüpfungen herzustellen.

Zeit

Eine Godly Play-Einheit umfasst 4 Phasen:

  1. Im Ankommen und Kreis-bilden wachsen die Anwesenden hinein in die Ruhe des Raumes, gemeinsam mit dem/r ErzählerIn auf dem Fußboden sitzend.
  2. Im Hören, Sehen und Sprechen finden sie ihre Wege in eine Geschichte hinein.
  3. Danach haben sie die Möglichkeit, sich mit unterschiedlichen Materialien kreativ zu beschäftigen.
  4. Einem kleinen, gemeinsamen Fest mit der Einladung zum Gebet folgt eine persönlich-zusprechende Verabschiedung.

In Zeit und Raum, mit Sprache und Beziehungen wird die Vorstellungskraft der Anwesenden dazu herausgefordert, selbst teilzunehmen am ewigen Spiel des Suchens und Findens, des Gesucht-Werdens und Gefunden-Werdens.

Godly Play, eine vielseitige Form der Bildungsarbeit in der Gemeinde

  • Godly Play-Einheiten eignen sich inhaltlich, methodisch und vom Prozess her sehr gut für die religionspädagogische Arbeit in Kindertageseinrichtungen, KU3-Gruppen, Jungschar, Kinderkirche oder im Religionsunterricht. Auch für die Senioren oder Erwachsenbildungsarbeit eigenen sich modifizierte Formen.
  • Das material- und bildgestützte Erzählen sowie die anderen Elemente bieten Möglichkeiten, sich mit existentiellen, religiösen Fragen zu beschäftigen. Die elementare und bildhafte Sprache der Geschichten sowie die Materialien und Bilder helfen dabei, sich zu konzentrieren. Sie stimulieren haptische und kooperative Erfahrungen und regen die Vorstellungskraft an. Im Ergründungsgespräch wird eine wertschätzende und wertfreie Gesprächskultur eingeübt. Im kleinen Fest am Schluss wird Gemeinschaft nochmals in besonderer Weise spür- und erlebbar.
  • Godly Play in der Gemeindearbeit kommuniziert Religion in ganz elementaren Formen und kann dadurch, obwohl es christlich geprägt ist, das interreligiöse Miteinander unterstützen, zu welche uns der Alltag in vielen Lebensbereichen heute herausfordert.
  • Godly Play versteht sich als ein ökumenisches Konzept. Die Fortbildner/innen kommen aus unterschiedlichen Konfessionen. Unter www.godlyplay.de finden Sie die Kontaktdaten sowie Termine für Kennenlerntage und Erzählkurse. Außerdem informiert die Website über die Regionalgruppe Württemberg, über Literatur und Modell-Räume und zeigt einen 20minütigen Film zum Thema: „Was ist Godly Play?“